Tod durch Demenz: Warum stirbt man an Alzheimer?

Alzheimer ist  einer US-Studie zufolge die dritthäufigste Todesursache in den USA. Das heißt, dass mit steigender Lebenserwartung nicht nur die Zahl der Demenz- und Alzheimerpatienten zunimmt, sondern auch die Zahl derer, die an dieser Krankheit sterben. In Deutschland wird Alzheimer als Todesursache bei jeder fünften Frau und jedem 14. Mann angegeben.

 

Die Unterschiede können daher rühren, dass in Deutschland noch häufiger als Sterbeursache andere Erkrankungen im Totenschein aufgeführt werden als die eigentliche Ursache Alzheimer. Zum Beispiel bekommen demente Patienten oft Bewegungsstörungen, die zu Stürzen führen können. Viele Patienten leiden an Schluckbeschwerden und sind nicht mehr in der Lage ausreichend und abwechslungsreich genug zu essen. Oft führt eine solche  Mangelernährung zu Kräfteverfall und zum Tod. In manchen Fällen werden durch ungenügende Bewegung und Bettlägerigkeit von Alzheimer-Patienten Lungenentzündungen verursacht, die dann im Totenschein als Sterbeursache genannt sind.

 

Alzheimer ist eine der häufigsten Todesursachen

In Wirklichkeit ist Alzheimer der US-Studie zufolge längst eine der häufigsten Todesursachen geworden und rangiert nach Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen an dritter Stelle, noch vor Lungenerkrankungen und Schlaganfall.

 

Der Wissenschaftliche Direktor der US-Alzheimer-Gesellschaft, Keith Fargo, bringt es auf den Punkt. „Es gibt viele Menschen, die noch immer denken, dass Alzheimer nur ein Gedächtnis-Problem ist - man vergisst, wo man die Schlüssel hingelegt hat. Aber heute ist Alzheimer eine weltweit tödliche Gehirnkrankheit, die aus dem Radar gerutscht ist.“

 

In Deutschland leben nach Angaben der Alzheimer Gesellschaft in Berlin gegenwärtig mehr als 1,4 Millionen Demenzkranke. Zwei Drittel von ihnen seien von der Alzheimerkrankheit betroffen.

 

Als Hauptursache für die Krankheit gilt heute ein Prozess, der sich im Innern der Zellen abspielt, dort wo die Energie für ihre Aktivität erzeugt wird. In jeder einzelnen Zelle arbeiten hundert bis weit über tausend Miniorgane, die die gesamte Energie für den Lebensprozess erzeugen: die Mitochondrien. Bei ihnen handelt es sich um noch immer halbautonome ehemalige Bakterien. Diese sind verantwortlich für die Produktion der Lebensenergie.  Wenn sie altern, wenn die Mitochondrien im Gehirn oder in anderen Organen des Körpers geschädigt werden, sind ehemals kraftstrotzende Menschen vom Verfall gezeichnet.

Alzheimer: Erst sterben die Mitochondrien, dann der Mensch

Prof. Konrad Beyreuther, Gründungsdirektor des Netzwerkes AlternsfoRschung (NAR), erklärt: „Mitochondrien altern, da sie aufgrund ihrer hohen Stoffwechselaktivität ihr Genom mit den dabei freigesetzten aggressiven Sauerstoffmolekülen (Radikalen) permanent schädigen. Die metabolisch besonders aktiven Bereiche des Gehirns (default memory) sind auch die ersten Bereiche, die bei der Entstehung der Alzheimer Krankheit Defizite entwickeln.“

Die Hirnliga e.V. teilte schon vor zwei Jahren mit, dass die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, neuerdings als der zentrale Ansatzpunkt in der Diagnostik und der therapeutischen Strategie bei Alzheimer erkannt sind. Eine Beeinträchtigung der Prozesse in der Atmungskette der Zellkraftwerke (Mitochondrien) gehe oft der eigentlichen Alzheimer-Erkrankung um zehn bis dreißig Jahre voraus. Schon so lange vorher könne es aufgrund mangelnder Energieversorgung in Hirnzellen zu Störungen bei der Bildung von Synapsen kommen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Manfred (Freitag, 01 Dezember 2017 10:23)

    Geiiilllllllllllllllllll!!!!!
    richtig Fett dieser Text!!!!

  • #2

    Thorsten (Montag, 11 Dezember 2017 17:50)

    Ich habe seid ca. 2 Jahren meine Mutter in einem Pflegeheim und versuche jeden Tag auf`s Neue zu verstehen, wie die Verwandlung von Geist und Persönlichkeit, bzw. der Verfall der einst so vertrauten und geliebten Person voranschreitet. Es vollzieht sich schrittweise, ohne konkrete zeitliche Abstände zwischen den einzelnen Stadien des wegdämmerns. Es verläuft bildlich dargestellt und wie oft beschrieben, treppenartig nach unten. Nur das, die Distanz der einzelnen Stufen, nie die gleiche ist, sondern immer variabel. Was letztendlich heißt, dass es keine genaue Vorhersage für die Dauer und Intensität der Demenz gibt. Die aber final und das unaufhaltsam, zu dem unausweichlichen Ende und somit Tod des Betroffenen führt. Meine Mutter befindet sich gerade in einer Phase, in der sie kaum noch Emotionen zeigt, absolut bettlägerig ist und ihre Nahrung nur noch püriert bzw. mit Schnabelbecher trinken kann. Und dieses auch nur durch füttern, oder anreichen. Durch den oben hervorragend und gut verstehenden Text, wird einem vieles klarer in Sachen Komplexibilität und Zusammenhang, der vielen einzelnen Faktoren die zusammensielen aber letztendlich durch ihren Zerfall, diese fürchterliche Krankheit verursachen. Ich fand es absolut lesenswert und wünsche allen trotz nachdenklicher Feiertage, ein schönes und besinnliche Weihnachtsfest.

  • #3

    Marie (Mittwoch, 13 Dezember 2017 19:02)

    Mein Vater ist am 8.12. verstorben. Die Krankheit hat sich schon sehr früh abgezeichnet. Damals, vor mind. 8-10 Jahren gab es schon die ersten Anzeichen. Zuerst war es allerdings so, dass man es gar nicht so genau erkannt hat. Mein Vater war ein sehr aktiver Mensch, hatte sehr viel Hobbies, was Imker, hat geräuchert, war handwerklich allgemein sehr begabt. Auch was er sehr unterhaltsam. Irgendwann kam es häufiger vor, dass er Namen vergaß, dann überließ er meiner Mutter häufiger das Wort. Dieses ist anfangs eigentlich als völlig normal angesehen worden. ( Wie oft vergisst man doch selber Namen) Später wurde er ihr gegenüber sehr ungerecht, hat häufiger kleinere Wutausbrüche bekommen, meine Mutter hatte nicht mehr den Stellenwert wir früher. Vor ca. 5 Jahren mussten wir ihn überzeugen seinen Führerschein abzugeben. War nicht leicht. Dann gab es im Grunde einen stetigen Abbau, die Wortfindung wurde immer schlechter. Wenn er Ja sagte, meinte er teilweise nein. Alles war nur noch ein "Ding". Bis dann vor ungefähr 3 Jahren die Sprache ganz wegfiel. Durch die liebevolle Fürsorge meiner Mutter, hat mein Vater es noch bis zur letzten Woche Zuhause sehr gut gehabt. Er war letztlich wie ein Kleinkind, das gewaschen, gefüttert, angezogen usw. werden musste. Alles ging innerhalb 2-3 Wochen recht schnell. Irgendwann war kein Gehen, keinerlei Mithilfe mehr möglich. Es hat ca. 2 Tage gedauert... Nahrungsaufnahme fast nicht mehr möglich. Dann kam ein absterben der Beine, ein röcheln in der Brust in der Brust... Im Grunde ist er von hier auf jetzt verstorben. (Hausarzt wurde vorher selbstverständlich hinzugezogen) Ich bin sehr traurig, vor allem für meine Mutter, die sich die ganzen Jahre so fürsorglich gekümmert hat. Es ist jetzt eine große Lücke da. Aber als wir beide heute zusammen ein letztes Mal von ihm Abschied genommen haben, konnten wir nur sagen: Es ist besser so! er sa sehr friedlich aus und das sah man ihm an. Tschüß lieber Papa!!!