Weihnachten, unser ältestes Winterfest

Weihnachtsbaum
Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen

Es gibt Menschen in Deutschland, die wollen nicht mehr Weihnachtsmärkte abhalten, sondern  Winterfeste. Sie stören sich am Begriff Weihnachten. Verteidigt wird Weihnachten dabei ausgerechnet von denen, die es einst geklaut haben: von den christlichen Kirchen.


Sie haben die uralte Weihnacht nämlich einst mit Gewalt zu einem Jesusfest umfunktioniert. Die wahre Geschichte von Weihnachten ist indes die „eines ganz und gar unheiligen Festes“, wie der Schamanenforscher Christian Rätsch in seinem neuen Buch „Abgründige Weihnachten“ seinem Leserpublikum erklärt.

Weihnachten war lange vor Christi Geburt ein Winterfest

Weihnachten war lange vor der Jesusgeburt schon ein Fest. Ein Winterfest, das seit Urzeiten den Namen Weihnachten trägt. Das heute bekannte Datum für das christliche Weihnachtsfest wurde erst im Jahre 354 durch den Bischof von Rom festgelegt. In einem Kalenderwerk und Staatshandbuch, das für die Bevölkerung der Stadt bestimmt war, findet sich unter dem 25. Dezember ein entsprechender Vermerk. Der kurze Texteintrag in dieser als „Chronograph“ bezeichneten Schrift lautet: „Natus est Christus in Bethlehem Iudaeae“. Damit war „Christi Geburt“ ein für alle Mal datiert. Mit dem tatsächlichen Geburtstag hat dieses Datum nach übereinstimmender Auffassung der Historiker jedoch nichts zu tun.

Weihnachten geht auf den Schamanengott Wotan zurück

Das Weihnachtsfest ist einst in grauer Vorzeit als Winterfest gestartet. Gefeiert wurde zur Wintersonnenwende, weil man sich mit den wieder länger werdenden Tagen auf Sonne und Frühling freuen konnte. Christian Rätsch schreibt darüber: „Das nordische Wintersonnenwendritual, das Julfest, ist der Ursprung unseres heutigen Weihnachtsfestes – und nicht die Geburt des kleinen Jesuskindes. Ursprünglich hieß es in der christlichen Kirche, dass der Geburtstag von Jesus Christus im Wonnemonat Mai gelegen habe. Erst seit dem 6. Jahrhundert behauptet die Kirche, dass Jesus am 24. Dezember, an Heiligabend, geboren worden sei. Damit wollte man dem ursprünglich heidnischen Fest einen christlichen Touch geben. Mit dieser Lüge versuchte die Kirche den von ihr gehassten Wotan aus dem Bewusstsein der Menschen zu verdrängen. Wenn man unser Weihnachtsfest allerdings genauer analysiert, wird deutlich, dass sich das heidnische Ritual durchgesetzt hat.“

Apropos Wotan: „Das heute weit verbreitete Bild des Weihnachtsmanns in seinem von Rentieren gezogenen, fliegenden Schlitten führt uns direkt zu seinen Wurzeln: zu Fliegenpilzen und Schamanen“, schreibt Rätsch. Mit Fliegenpilzen versetzten sich die Altvorderen, insbesondere die Schamanen, lange vor dem winterlichen Bierbrauen demnach in die richtige Wintersonnwendstimmung. Und dann verfolgten sie die Wilde Jagd Wotans am nächtlichen Himmel. Die Engel auf seinem Schlitten gehen „auf die germanischen Walküren...zurück.“

 

Wotan oder Odin, wie er auch hieß, hatte „ein Pferd mit acht Beinen, einen blitzschnellen, weißen Hengst, der fliegen konnte“, heißt es bei Rätsch. Und weiter: „Auf seinem Rücken bereiste Wotan in Ekstase alle neun Welten, die wie reife Früchte am Weltenbaum (der Germanen, Anm. d. Verf.) hingen. In all diesen neun Welten lebten andere, fremdartige Wesen, etwa Riesen und Zwerge, die Seelen der Verstorbenen und Fantasiewesen aus Nebel.“

 

Eine sehr moderne Sicht auf das universelle Geschehen. Denn das ist ja quasi die Vorstellung eines Multiversums, das sich in der modernen Wissenschaft erst im 20. Jahrhundert (Hugh Everett 1957) unter Kosmologen  und Quantenphysikern etablieren konnte. Wotan und seine Wilde Jagd waren in all diesen neun Welten zuhause. Gott Wotan war der Chef im Multiversum.

Weihnachten hat nichts mit der unbefleckten Empfängnis einer Maria aus Galiläa zu tun

Sonnenaufgang
Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende

„Wotan“, so Rätsch, „war der Gott der Ekstase. Sein Name bedeutet auf Deutsch wörtlich „der Berauschte“. Er war ein Schamane, ein Zauberer, ein Seelengeleiter, ein Heilkundiger und ein in allen Welten Wandernder.“

 

Wer je geglaubt hatte, dass Weinachten etwas mit der „unbefleckten Empfängnis“ der Maria aus Galiläa zu tun hat und mit ihrer Geburt des Knaben Jesu, der sollte noch ein paar weitere Informationen einholen, die nicht von der Kirche abgesegnet sind. Für Ketzerei, was ja immer vor allem bedeutete mehr zu wissen und auch mehr zu sagen, als was die Kirche zulässt, verliert heute niemand mehr seinen Kopf. 

Weihnachten startete einst als Winterfest mit Räucherkult und Ekstasen

Beim Winterfest Weihnachten wurden Pilze konsumiert, Fliegenpilze vor allem, um sich zu berauschen. Und später dann, als im Zuge der neolithischen Revolution vor etwa 15.000 bis 10.000 Jahren, ja eigentlich als Ausgangspunkt derselben, das Bierbrauen erfunden wurde, da wurden die Menschen sogar sesshaft, um immer genügend alkoholischen Gerstensaft zur Verfügung zu haben. Nachzulesen im Buch „Neben Ich“, im Kapitel „Das Ich der Droge“.

 

Der Rausch ist offenbar ein Bedürfnis des Menschen, nachdem keine Kultur auf Erden ohne Drogen auskommt.  Dazu schreibt Rätsch „Alle alten Kulturvölker hatten ihre eigenen speziellen Entheogene, ihre rituellen und kultischen Rauschmittel, die im Zentrum der jeweiligen Kultur standen. Sie wurden respektvoll verehrt und rituell konsumiert – denn der Rausch ist das Geschenk der Götter. Er gilt als Ursprung jeder Kultur.“

Weihnachten wurde durch die christliche Kirche zu einem Herrschaftsinstrument

Das Christentum ist von Anfang an mitnichten eine friedliche und friedvolle Veranstaltung, wie weißgewandete Päpste leutselig suggerieren mögen. Es ging schon immer um Kampf und um Macht und um Einfluss.

 

In der ersten Zeit ihrer Entwicklung galten die christlichen Gemeinden im damaligen römischen Reich, in dem sie sich ausbreiteten, zunächst als jüdische Sekten. Erst später wurden sie als eine sich auf Jesus von Nazareth beziehende neue Glaubensgemeinschaft anerkannt. Die Zahl der Anhänger wuchs rasch. Da der römische Staat sie aber bald als Umstürzler ansah, wurden die Christen zunächst jahrhundertelang verfolgt.

 

Erst Kaiser Konstantin der Große stellte 311 die Christenverfolgung ein. Zunächst wurde das Christentum den alten römischen Kulten gleichgestellt, dann sogar zur Staatsreligion erhoben. Jeder Bürger des Imperiums hatte nun den christlichen Glauben anzunehmen, das Heidentum und die alten orientalischen Nationalkirchen wurden fortan unterdrückt. Der Pakt mit der Macht hat die sich entwickelnde christliche Kirche von Anfang an geprägt und bis heute sucht sie diese Nähe, segnet Waffen und Truppen und Fahnen der Mächtigen.

Weihnachten erinnert bis heute an seinen heidnischen Ursprung

Chr. Rätsch, Abgründige Weihnachten
Abgründige Weihnachten: Die wahre Geschichte eines ganz und gar unheiligen Festes von Christian Rätsch, Riemann Verlag, 160 Seiten, 14,99 Euro, ISBN-13: 978-3570501658.

Wie gnadenlos das Machtpotential, über das die Kirche schon früh gebot, von ihr eingesetzt wurde, wird auch von Christian Rätsch geschildert: „Der 24. Dezember war auch im antiken Rom ein heiliger Tag. An ihm wurde die Wiedergeburt des Sonnengottes Sol Invictus (Lateinisch für die unbesiegbare Sonne) gefeiert. Sol Invictus galt als eine Form des Sonnen- und Lichtgottes Apollon. Ihm zu Ehren tauschten die Menschen kleine Geschenke aus, zündeten Wachskerzen an und labten sich an einem reichen Mahl.“ – Und das ist ja im Prinzip bis heute so geblieben. Nur dass statt Fliegenpilz und Räucherwerkzeug heute das christliche Zeremoniell mit Engeln, Weihrauch, Kreuz und Halleluja in den von der Kirche geprägten Ländern als heilig gilt.

„Erstaunlicherweise“, schreibt Rätsch, „wählte die christliche Kirche ausgerechnet dieses Datum für ihren Heiligen Abend. Die Geburt der Sonne (die ja tatsächlich alle Jahre wiederkehrt, im Gegensatz zum Jesuskindlein, Anm. d. Verf.) bei den Heiden wurde zur Geburt Jesu umgemünzt. Damit sollte das heidnische Fest aus der Erinnerung der Römer gelöscht werden. Genauso wie die ersten Kirchen auf den Ruinen heidnischer Tempel (und auf heidnischen Kultplätzen, Anm. d. Verf.) errichtet wurden, wurden die populären heidnischen Feste durch christliche Feiertage ersetzt.“

Weihnachten ist bis hin zur Weihnachtsgans ein Erbe des Heidengottes Wotan 

Wer genau hinsieht und sensibel ist, der merkt dem Fest der Feste allerdings bis zum heutigen Tag an, woher es kommt. Rätsch: „Unser christliches Weihnachtsfest beruht also auf einer schamanischen Mythologie, auf der Astronomie der Wintersonnenwende (durch Naturbeobachtung), auf uralten heidnischen Ritualen, Opfergaben an die Götter und auf einem lebendigen Totenkult.“

 

Sogar die Weihnachtsgans ist, bis hin zum Gewürz, ein heidnisches Weltkulturerbe, wie Rätsch herausstellt: „Jetzt werden besonders üppige und reichhaltige Festessen veranstaltet. Die Weihnachtsgans geht auf die Opfergans für Wotan zurück. Sie wird mit Beifuß (Artemisia vulgare) gewürzt und damit schamanisch geweiht. Beifuß gehört in vielen Kulturen zu den wichtigsten Schamanenpflanzen, die bei Ritualen Schutz gewährt und den Ort von zerstörerischen Energien befreit.“

 

So lasst uns Kerzen anzünden oder auch Feuer zur Wintersonnenwende, eine Gans braten und hinausgehen in Wälder und Felder. Weihnachten ist unser ältestes Winterfest. Ein Weltkulturerbe, älter, viel älter als das Christkind im Stall von Bethlehem.    

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