Plant-for-the-Planet-Gründer Felix Finkbeiner liebt Apfelbäume

„Weil Bäume unsere einzige Überlebenschance sind, liebe ich alle Bäume. Am meisten liebe ich Apfelbäume wegen ihrer Früchte“, sagt Felix Finkbeiner (16), Gründer der international erfolgreichsten Baumpflanzkampagne der Geschichte, Plant-for-the-Planet. Felix ist Baum-Milliardär, denn mithilfe seiner Aktion in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen wurden bislang weltweit schon 13 Milliarden Bäume in die Erde gesetzt. „Bäume“, sagt er, „sind etwas ganz Besonderes“. Warum das so ist, begründet Felix Finkbeiner im Interview mit „WagnersAusblick“. (Im Bäume-Amulett-Shop können Sie ein Stück von Ihrem persönlichen Lieblingsbaum erwerben).

 

 

Felix lehnt am Baum. Foto Plant-for-the-Planet
"Am liebsten sitze ich unter einem Baum und lehne mich an seinen Stamm." Foto: Plant-for-the-Planet

 

WagnersAusblick: Gibt es einen Schwerpunkt nach Art und Sorte der Bäume, die in Ihrer weltweit so erfolgreichen Kampagne „Plant-for-the-Planet“ gepflanzt werden? Ihr allererster war, wie kürzlich im ZdF zu sehen, eine Kastanie. Wahrscheinlich wird dies nicht der meistgepflanzte Baum Ihrer tollen Organisation sein. Gibt es eine Statistik der Lieblingsbäume? 

 

Felix Finkbeiner: Weltweit haben während der Billion Tree Campaign von Wangari Maathai, der Mutter der Bäume und unserem großen Vorbild, über 26.000 Menschen, Organisationen, Unternehmen und Regierungen zusammen fast 13 Milliarden Bäume gepflanzt. Auf unserer Website kann man sehen, dass jede erdenkliche Art von Bäumen gepflanzt wurde. Das ist gut so, denn die Vielfalt ist wichtig. Die Menschen vor Ort wissen am besten, wo sie welchen Baum wie und wann pflanzen müssen. Diese Billion Tree Campaign wurde später von den Vereinten Nationen auf unsere Kinder- und Jugendinitiative Plant-for-the-Planet, die selbst auch bereits Millionen Bäume gepflanzt haben, übertragen, und wir führen diese Philosophie weiter. 

 

WagnersAusblick: Haben Sie selbst einen Lieblingsbaum - welcher ist es? 

 

Felix Finkbeiner: Jeder Baum ist wichtig, denn Bäume sind die einzigen Systeme, die das gefährliche Treibhausgas CO2 binden. Wir Menschen pusten jedes Jahr mehr CO2 hinaus als im Jahr zuvor, derzeit ungefähr 35 Milliarden Tonnen. Dadurch beschleunigen wir den Treibhauseffekt. Wenn wir weitere 600 Milliarden Tonnen CO2 emittiert haben werden, werden wir die Grundlage für einen Anstieg der Durchschnittstemperatur um 2°C gelegt haben, also in weniger als 17 Jahren, d.h. spätestens im Jahr 2031. Wenn wir danach weiter 35 Milliarden Tonnen CO2 emittieren, werden wir bis zum Jahr 2050 1.300 Milliarden Tonnen CO2 ausgestoßen haben und damit einen Anstieg der Durchschnittstemperatur von 4-5°C verursacht haben. Niemand weiß, was 5°C mehr bedeuten, aber als die Durchschnittstemperatur einmal um 5°C niedriger war, lagen zwei Kilometer Eis über uns. Deswegen ist jeder Baum für uns wichtig. Jeder Baum speichert CO2. Wir haben noch Platz für 1.000 Milliarden neue Bäume auf der Erde, ohne in Konkurrenz zu Landwirtschaft oder Siedlungsbau zu gehen und ohne bereits in Wüsten pflanzen zu müssen. Jeder Baum bindet in Durchschnitt 10 kg CO2. Diese 1.000 Milliarden neue Bäume würden also ungefähr eine Viertel des menschgemachten CO2-Ausstoßes binden. Das würde die Klimakrise nicht lösen, aber es gibt uns etwas mehr Zeit, vernünftig zu werden.

 

Weil Bäume unsere einzige Überlebenschance sind, liebe ich alle Bäume. Am meisten liebe ich Apfelbäume wegen ihrer Früchte. 

 

WagnersAusblick: Bedeuten Ihnen Bäume, über die Funktion hinaus, die diese für Mensch und Umwelt erfüllen, persönlich etwas?  

 

Felix Finkbeiner: Bäume sind etwas ganz Besonderes. Bei uns in der Nähe steht die tausendjährige Tassilo-Linde. Wir sollten demutsvoll sein, wenn wir bedenken, dass dieser Baum die Kreuzzüge, den Dreißigjährigen Krieg und Nazi-Deutschland überdauert hat. Dieser eine Baum hat 40 Menschengenerationen überlebt. In unserer Hybris haben wir Menschen geglaubt, und viele glauben es heute noch, ohne die Natur leben und überleben zu können. 

 

WagnersAusblick: Der Nabu-Vorsitzende von Duisburg, Jürgen Hinke, sagte kürzlich sinngemäß, Bäume seien auch etwas fürs Gemüt, hätten etwas Mystisches. Können Sie dieser Aussage als junger Mensch etwas abgewinnen? 

 

Felix Finkbeiner: Absolut! Ich kann ich diese Aussage voll unterstreichen. Viele Nationen haben den Baum in ihrer Flagge oder Länder und Städte in ihren Wappen. Unter Bäumen haben nicht nur die Wikinger Gericht gehalten, auch in vielen afrikanischen Stämmen trifft man sich unter Bäumen zu Versammlungen. Einen Baum zu umarmen, ist eine tolle Erfahrung. Am liebsten sitze ich unter einem Baum und lehne mich an seinen Stamm. 

 

WagnersAusblick: Lieber Felix Finkbeiner, haben Sie herzlichen Dank für dieses Gespräch.

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 Zur Person: Felix Finkbeiner

 

 

 

Felix Finkbeiner wurde am 8. Oktober 1997 in Pähl, Landkreis Weilheim-Schongau, Obb., geboren. Mit neun Jahren gründete er die Baumpflanzkampagne Plant-for-the-Planet http://plant-for-the-planet.org/. Er ist Jugendbotschafter der Vereinten Nationen. 2011 hielt er als Dreizehnjähriger eine Rede vor der Versammlung der UNO zum Waldjahr in New York.

 

 

 

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